In Zinnerberg werden Traditionen noch großgeschrieben – und manchmal auch ganz frech auf die Probe gestellt. So plante der Arbeitskreis Freizeit der Wohngruppen gemeinsam mit den Bewohnerinnen, in diesem Jahr einen eigenen Maibaum aufzustellen. Tatkräftige Unterstützung kam dabei vom vorberuflichen Programm FLAPPS, das den Baum sorgfältig vorbereitete und schließlich sicher einlagerte.
Doch wie es in Bayern nun einmal ist: Ein Maibaum bleibt selten lange unbeaufsichtigt. Als der Bereich Ausbildung Wind von der Sache bekam, war schnell klar – hier muss gehandelt werden, ganz im Sinne der gelebten Tradition. Geduldig warteten die Auszubildenden und Ausbilder, bis Ruhe einkehrte, alle im Feierabend oder bereits im Wochenende waren und sich niemand mehr im Sichtbereich befand.
Dann schlugen sie zu: Mit Geschick und einem Augenzwinkern wurde der Maibaum durch eine Fensteröffnung, quer über den Hof am Klosterladen vorbei, „entführt“ und an einem geheimen Ort versteckt. So geheim, dass er zunächst unauffindbar blieb.
Die Überraschung war groß: „Oh Schock – der Maibaum ist weg!“ Schnell machte sich der Arbeitskreis der Wohngruppen auf Spurensuche. Es wurde gerätselt, nachgefragt und kombiniert – bis sich der Verdacht erhärtete: Die Ausbildung musste dahinterstecken!
Also trat man in Verhandlungen. In bester bayerischer Manier wurde diskutiert, gefeilscht und schließlich eine Einigung erzielt: Gegen eine ordentliche Brotzeit, Eis und Kuchen sollte der Maibaum wieder freigegeben werden.
In einem feierlichen Akt wurde der „entführte“ Baum schließlich zurück übergeben. Die Auslöse wird beim Maibaumfest eingelöst – zu dem selbstverständlich alle Auszubildenden und Ausbilder*innen herzlich eingeladen sind.
So zeigt sich einmal mehr: Tradition verbindet – und sorgt ganz nebenbei für jede Menge Spaß und gute Geschichten.
Wenn Klauen zum Gemeinschaftserlebnis wird!!!!
Maibaum-Stehlen ist allerdings kein strafrechtliches Vergehen, auch keine gesetzliche Ordnungswidrigkeit - höchstens a mords Gaudi und "a hinterlistige Gschicht", wenn schließlich um das Auslösen gefeilscht wird. Neudeutsch bzw. "amerikanisch" würde man vom "Deal" sprechen. Allerdings gehören zu dieser Art "Handel" Menschen, denen es nicht um Machtansprüche und "Kohle" geht, sondern um "a Freid am Lebn" und höchsten die ein oder andere Wurstsemmel bzw. Kuchen.
In diesem Sinne: Haltet gute Traditionen hoch.....und die anderen, also die "Deals ohne Würde und Anstand" am besten für immer in einem Versteck versenken.